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Berufskolleg für Grafik-Design 3BKGD
Trinationaler Austausch mit Gobelins, Paris,
und der Rerich-Kunstfachschule, St.Petersburg
Berlin 2009
Text: Hans-Dieter Becker
> Fotos von Kätha Bremberger
> Projektergebnis „Berlin – 20 years after the wall” (Flash, 15MB)
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Berlin, 20 Jahre nach dem Mauerfall.
Karlsruher, Pariser und Sankt Petersburger Grafik-Designer treffen
sich 10 Tage, um an einem Bilderbuch zum Blättern und Nachdenken
zu arbeiten.
Berlin übt in den letzten Jahren
auf junge Leute aus dem In- und Ausland eine magische Anziehungskraft
aus.
Auf die Frage nach dem Warum, höre ich allenthalben erstaunt:
Berlin ist in! Berlin ist cool! Berlin ist megageil!
Natürlich übte das Berlin der späten 1960er und
der 1970er Jahre auch auf meine Generation eine gewisse Magie
aus. Als Student an der Hochschule für bildende Künste,
heute UdK, konnte ich davon ein rotes Liedchen singen.
Berlin war damals die Stadt des langhaarigen Aufbegehrens
gegen das Establishment und die vermoderten Moralvorstellungen
einer Generation, die ihr Heil in zwei Vernichtungskriegen suchte.
Aber Berlin war auch die Stadt, die keine nächtliche
Polizeistunde kannte, die 24 Stunden geöffnet hatte. Berlin
konnte einem westdeutschen Provinzler wie mir sogar den Dienst
an der Waffe ersparen. Berlin bot darüber hinaus auch noch
die zweifelhafte Sicherheit eines antifaschistischen Schutzwalles,
der den egoistischen Vorteil hatte, zumindest die Kontrollbesuche
besorgter Eltern aus dem Westen stark einzuschränken.
Aber heute, wo dies alles kaum noch eine wirkliche
Bedeutung für einen jungen Menschen hat, muss es doch etwas
anderes sein, was eine Faszination für ausgerechnet diese
Großstadt ausübt!
Vielleicht ist es das unverhoffte "Auferstanden
aus Ruinen Und der Zukunft zugewandt", das der DDR-Hymne
im Nachhinein, zumindest zeilenweise, eine gar seherische Qualität
verleiht.
Vielleicht ist es das gelungene Nebeneinander aus großmannssüchtiger
Supermoderne mit Weltstadtflair und subkulturellen, alternativen
Lebensformen im stilvoll bewahrten Zerfall.
Vielleicht sind es auch die Freiräume, die Berlin mit seiner
unglaublichen Fläche und der grundsätzlichen Andersartigkeit
seiner Stadtteile gerade jungen Menschen bietet.
Vielleicht ist es die Mischung aus den zwei Sorten von Menschen,
die das heutige Berlin ausmacht: Ossis und Wessis. Jenen von
hüben und jenen von drüben.
Vielleicht ist es aber auch das bemerkenswerte
Angebot an Möglichkeiten des kulturell-künstlerischen
Schaffens jeglicher Couleur und nicht nur der Konsum eines solchen.
Wahrscheinlich jedoch ist es alles zusammen, was Berlin ausmacht.
Das Bilderbuch zum Blättern und Nachdenken
ist innerhalb von 8 hintereinander hängenden Arbeitstagen
ohne wirkliche Pause entstanden.
Gemacht von Grafik-Design-Schüler aus Karlsruhe, aus Paris
und aus St. Petersburg.
Durchschnittsalter 22 Jahre
Junge Menschen, die sich vorher nicht kannten und die Berlin
noch nie, im wahrsten Sinne des Wortes, ERLEBT haben.
Acht trinationale Teams, bestehend aus Russen,
Franzosen, Deutschen.
Zweidrittel Frauen. Eindrittel Männer.
Zweidrittel Nachfahren der überrannten Mächte, eindrittel
Nachfahren der Aggressoren.
Angehende Grafik-Designer des Jahrgangs 2009 kurz vor ihrer
Abschlussprüfung.
20 Jahre nach dem Mauerfall!
Aufgabe: Zeigt
Berlin!
8 Tage sind nicht viel! Berlin war groß und ist
wieder groß! Zumindest flächenmäßig!
U-Bahn, S-Bahn, Tram, Deutsche Bahn, Bus, Schiff, Taxe. Fußmärsche
und fahrplanmäßige Wartezeiten, die Komplexität
der BVG und der anderer Fahrpläne. Schwierig für Nichtberliner,
sehr schwer für Franzosen. Für Russen, aber nur wegen
der Schrift!, gewöhnungsbedürftig.
Berlin selbst beeindruckte!
Digitale Fotos. Im hohen vierstelligen
Bereich! Allein das Sichten und Auswerten aller Daten braucht
seine Zeit!
Dazu die vielen, vielen Skizzenbücher, in die Grafiker
auch zur Entspannung zeichnen. Nach 8 Tagen war Schluss!
Was Sie nach der Drucklegung sehen können, ist Berlin.
In 8 Tagen. Durchfahren, durchwandert, durchgemacht. Und dann,
auf die Schnelle zusammengebracht. Visuell.
Von ein paar Deutschen, Russen und Franzosen, die insgesamt
5 Stunden hatten um sich kennen zu lernen, die 8 Arbeitstage,
9 Nächte und 5 Stunden des Abschieds miteinander verleben
durften.
Sprachschwierigkeiten hat es ab und an gegeben, sonst überhaupt
keine!
Zur Not wurde gezeichnet. Oder der Unterarm gestreichelt, die
Schulter getätschelt und mit dem Kopf genickt.
Aber sonst war alles bestens! Berlin war die Reise wert!
PS
Der jährliche Arbeitsaustausch zwischen unseren
Schulen in Karlsruhe und Paris wird seit 18 Jahren, die trinationale
Zusammenarbeit mit unserer Partnerschule in Sankt Petersburg
zum zweiten Mal vom Deutsch-Französischen Jugendwerk
als berufliche Maßnahme mit erheblichen finanziellen
Mitteln gefördert. |
Austausch St.Petersburg 2010
> Text von Hans-Dieter Becker
> Fotos von Kätha Bremberger |
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