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„Sehn... beziehungsweise ...Sucht“

In der Rehaklinik Freiolsheim entwickelten Suchtkranke ein Theaterstück für Schulen.

Im Herbst waren einige Klassen bei einer besonderen Präventions- Veranstaltung in Karlsruhe. Die Schauspieler des Theaterstücks „Sehn... beziehungsweise ...Sucht“ sind alle aus der Rehaklinik Freiolsheim, entweder als Patienten oder auch als Mitarbeiter.

Die Rehaklinik Freiolsheim ist für drogen- und mehrfachabhängige Frauen und Männer ab dem vollendeten 18. Lebensjahr. Dort wird ihnen gezeigt, dass und wie man auch ohne Drogen leben kann. Durch Therapien und einen streng geregelten Tagesablauf lernen sie, sich wieder an Regeln zu halten. Denn wer sich dort nicht an die Regeln hält, bekommt Sanktionsstunden oder andere Strafen. Die Schauspieler sagten jedoch, dass die beste Therapie außerhalb der Therapiestunden stattfindet. Der Umgang mit Menschen, die oft das Gleiche oder etwas Ähnliches durchgemacht haben, hilft den meisten Patienten dort sehr.

Einige von ihnen haben sich nun getraut, in dem diesjährigen Theaterstück mitzuspielen und dort auch einen Teil ihrer eigenen Lebenserfahrung hineinzubringen.

Das Theaterstück handelte so gut wie nur von den Anfängen, dem Hineinrutschen in eine Sucht. In einer Szene wurde das Publikum teilweise auf die Bühne gezogen. Die einzelnen Personen wurden einfach in eine Gruppe Tanzender gestellt. Es gab keinen einzigen, der nicht versucht hat, mitzutanzen, denn keiner wollte der einzige sein, der da oben stand und nicht mitmachte. Damit kann man ganz einfach auch das Verhalten eines Drogensüchtigen vergleichen. Von der „normalen“ Gesellschaft fühlen sie sich nicht akzeptiert und in der „anderen“ Gesellschaft wollen sie nicht auch noch als Außenseiter dastehen und deshalb machen sie mit.

Nach dem Stück gab es eine Podiumsdiskussion, bei der die Schauspieler eine Stunde lang Fragen des Publikums zu ihrem Leben, ihren Erfahrungen mit Drogen, den Auswirkungen und den Folgen beantworteten. Die Schauspieler gingen auf jede einzelne Frage ein und gaben uns ehrliche Antworten. Das war ziemlich mutig, denn es ist sicher nicht einfach, mit einem Haufen Schüler über die eigene Vergangenheit zu reden. Sie erzählten über ihre schlimmsten Erfahrungen, über den damaligen Alltag, der daraus bestand, sich nur noch auf die Drogen zu fokussieren.

Die Patienten sprachen auch darüber, was ihnen alles fehlte und was es ihnen noch schwerer machte, den Drogen zu widerstehen. Sie sehnten sich nach Anerkennung, Respekt und der Aufmerksamkeit anderer. Ein Schauspieler sagte, schlimme Dinge aus der Kindheit kann man mit Drogen verdrängen. Sie wünschen sich einfach Liebe und Geborgenheit. Sie entwickeln eine richtige Sehnsucht danach. Vor diesen Gefühlen haben sie irgendwann Angst und mit ihren Drogen fliehen sie. Doch wieder herauszukommen, ist unglaublich schwer. Das sagten sie uns alle.

Wir fanden das Theaterstück sehr gut und würden auf jeden Fall empfehlen, auch mit anderen Klassen das Stück anzusehen.

Sara Lagenstein, Elena Springer (1BK2T)

Theaterplakat
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