Schule | Berichte


Körperbehinderte erleben Berufsschule

Ein Tag in der Carl-Hofer-Schule

Was macht man eigentlich an einer Berufsschule? Nachdem die Berufswelt immer mehr nur nach Erfolg und Gewinn strebt, verliert sie das Klientel der Behinderten immer mehr aus dem Auge.

Im Jahr des Lebens mit Behinderungen wird es Zeit, gerade in den Bereichen, wo Behinderte immer mehr ins Abseits gedrängt werden, wieder dagegen zu wirken. Aus diesem Grund initiierte die Religionsklasse des 1. Ausbildungsjahres der Fotografen eine zarte Partnerschaft mit der 6. Klasse der Schule für Körperbehinderte in Langensteinbach.

 

Abschied
Abschied
Abschied
Abschied
Abschied

Im Mai waren die Fotografen in Langensteinbach zu Besuch und erlebten dort einen Tag, der ihnen unvergesslich blieb. Der Gegenbesuch der Kinder und Jugendlichen wurde mit freudiger Spannung erwartet und detailliert vorbereitet. Die Schüler konnten an diesem Tag in die Berufsschulwelten Floristik und Gärtnerei hinein schnuppern und in den Bereichen Farbe, Metall und Holz einfache Grundfähigkeiten sehen, kennenlernen und je nach körperlicher Beeinträchtigung selber ausprobieren.

Lena, Dario, Kim, Simone und Fabian lernten Holzarten kennen und bearbeiteten ein Stück zu einemSchlüsselanhänger. In Herrn Schuberts Werkstatt wurden selbstverständlich auch die von den Berufsschülern angefertigten Holzarbeiten bewundert. Okan, Dominik und Stephan hatten viel Spaß, als sie mit dem Metallfachlehrer Herr Krump einen Hexenschlüssel anfertigten, wobei sie Metall verbogen und Lötarbeiten verrichteten. Vor allem die Unfähigkeit der erwachsenen Schüler und Lehrer die fertigen Hexenschlüssel zu handhaben, sorgte für viel Vergnügen.Im Bereich Farbe wurden mit Herr Schulz Aquarellkarten gefertigt und Stephan, Fabian und Sandro erfuhren einiges über Farben im Allgemeinen.

Eigenschaften, Gerüche und Gefühle, die verschiedene Blumen und Kräuter haben, entdeckten Susanne, Mona, Kim und Simone bei Frau Decker. Sie nahmen dort die verschiedenen Pflanzen wahr, wie es den meisten Menschen normalerweise ihr ganzes Leben versagt bleibt, oder wer hat sich schon einmal mit dem Stiel einer Sonnenblume so intensiv beschäftigt, dass er auch weiß, welche Funktionen dieser erfüllt? Im Gewächshaus von Herrn Wickenhäuser erlebten die Kinder dann fast die ganze Palette eines Zierpflanzengärtners. Besonders viel Vergnügen machte das Ausprobieren der Sprenkel- und der Verdunkelungsanlage. Dario topfte eine Pflanze nach der anderen ein und um, während Fabian und Simone den Pflanzen je nach Trockenheit immer wieder Wasser gönnten.

Viele Fragen prasselten auf die Fachlehrer nieder, welche diese natürlich sehr gerne beantworteten, vor allem weil sich im normalen Berufsschulalltag ja doch immer wieder Schüler finden, die sogar zum Fragen animiert werden müssen.

Die Fotografenklasse, die die Sechstklässler den ganzen Tag begleiteten, fotografierten natürlich viel, informierten aber auch über ihre Berufswelt. Besonders herauszuheben war aber, dass sie sich rührend und wunderbar umsichtig um die Kinder gekümmert haben. Die jeweilig zugeordneten Partner verstanden sich auf Anhieb und so wurde das Erlebnis Berufsschule für die einen und das Erlebnis hinderliche Lebensweise für die anderen ein voller Erfolg, der nach Wiederholung verlangt.

Da in der CHS noch andere Berufe ausgebildet werden, sollte dem nichts im Wege stehen. Kein Wunder, dass auf die Frage „Wann kommt Ihr wieder?”,gestellt von der Religionslehrerin Frau Busath, die den Tag federführend gestaltete, alle lauthals „Morgen” schrieen. Auch die Lehrer von Langensteinbach, angeführt von der Klassenlehrerin Frau Pauscher waren begeistert, welcheMöglichkeiten es für ihre Schüler in der Berufswelt doch geben würde, wenn die Berufswelt ihre Fähigkeiten endlich wahrnähme.Vielleicht bekommen andere Berufsschulen ja auch Lust ihre Alltagswelt durch so eine Initiative einmal umzugestalten und dadurch zu einer neuen Perspektive zu gelangen. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall.


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